Ab 1.1.2025 wird die neue Grundsteuer auf der Grundlage der Grundsteuerreform und neuer Hebesätze durch die Gemeinden erhoben. Gibt es bereits Urteile zur Verfassungsmäßigkeit der Regeln? Wie viel Grundsteuer wird anfallen? Die Bundesländer informieren zur Vorgehensweise, den neuen Hebesätzen und bieten teilweise Berechnungshilfen.

Die neue Grundsteuer wird ab 1.1.2025 erhoben. Zur Anwendung kommen neue Berechnungsmodelle und Hebesätze. Doch die Umsetzung ist nicht bundeseinheitlich gleich. Während einige Länder das sog. Bundesmodell anwenden, haben sich andere Bundesländer dazu entschieden, eigene Landesgesetze zu verabschieden. Auch bei der Ermittlung der Hebesätze gibt es derzeit unterschiedliche Vorgehensweisen.

Lesen Sie auch: AdV einer Grundsteuerwertfeststellung im sog. Bundesmodell

Tipp: Einen allgemeinen Überblick zur Grundsteuerreform gibt das

BMF in einem FAQ.

Grundsteuer in den verschiedenen Bundesländern: Überblick

Nachfolgend ein kompakter Überblick (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) zu den aktuellen Entwicklungen bei der Grundsteuer:

Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg wird die Grundsteuer künftig auf Basis der Bodenrichtwerte bzw. des Grundstückwertes ermittelt. Die Hebesätze legen die Gemeinden fest. Das Bundesmodell kommt hier also nicht zur Anwendung.

Laut Medienberichten (vgl.

Badische Zeitung v. 6.4.2024
) sollen Hebesätze, die zur Aufkommensneutralität führen sollen, etwa Mitte des Jahres 2024 veröffentlicht werden.

Gegen die Landesgrundsteuer im Falle der Grundsteuer B waren Musterklagen vor dem FG Baden-Württemberg anhängig. Die Klagen wurden abgewiesen: Das Landesgrundsteuergesetz ist laut FG Baden-Württemberg verfassungsgemäß.

Mehr hierzu: Neue Grundsteuer B in Baden-Württemberg ist verfassungsmäßig

Tipp: Umfangreiche Informationen zur Grundsteuer in Baden-Württemberg finden Sie

hier
.

Bayern

Bayern hat sich gegen die Anwendung des Bundesmodells entschieden. Für Grundstücke wird in Bayern ein wertunabhängiges Flächenmodell umgesetzt. Entscheidend sind demnach für die Berechnung die Flächen von Grund und Boden sowie Gebäude und die Gebäudenutzung.

Tipp: Umfangreiche Informationen zur Grundsteuer in Bayern finden Sie

hier.

Berlin

In Berlin kommt das sog. Bundesmodell zur Anwendung. Die Rahmenbedingungen für die Umsetzung der Grundsteuerreform wurden im

Juni 2024 im Abgeordnetenhaus
beschlossen. Der Hebesatz wird von 810 Prozent auf 470 Prozent gesenkt (vgl. auch News).

Bei den Messzahlen nutzt das Land Berlin seine Handlungsmöglichkeiten und passt diese im BlnGrStMG an. Für Wohngrundstücke wird die Steuermesszahl 0,31 Promille betragen und für Nichtwohngrundstücke und unbebaute Grundstücke 0,45 Promille. Ziel soll laut Angaben des SenFin Berlin Aufkommensneutralität sein, damit Wohnen durch die Reform im Durchschnitt nicht teurer wird.

Es wird eine Härtefallklausel geschaffen, damit in Einzelfällen die Möglichkeit besteht, die Grundsteuer für selbst genutzte Wohngrundstücke abzusenken.

Kleingärtner und landwirtschaftliche Betrieben sollen entlastet werden: Der Hebesatz für land- und forstwirtschaftlich genutzte Grundstücke (Grundsteuer A) wird auf 0 Prozent herabgesetzt. 

Brandenburg

Das Land Brandenburg setzt die Grundsteuerreform mit dem sog. Bundesmodell um.

Noch gibt es nicht viele Informationen, wie es mit dem Hebesätzen in Brandenburg weitergehen wird. Doch laut Medienberichten soll im November 2024 Klarheit herrschen. Das Land Brandenburg plant ein Transparenzregister. Hier soll für jede Kommune ausgewiesen werden, wie hoch der Hebesatz sein müsste, damit die Grundsteuerreform aufkommensneutral ist.

Tipp: Hier eine Übersicht zur

Grundsteuer in Brandenburg.

Bremen

Bremen wendet das sog. Bundesmodell an. Aktuelle Informationen zur Umsetzung der Grundsteuerreform in Bremen finden Sie

hier
.

Ein Link führt hier bereits zu einer Seite, die künftig die aufkommensneutralen Hebesätze aufführen soll. Noch ist hier jedoch der Hinweis enthalten: „Aktuell arbeitet die Finanzverwaltung an der Ermittlung der aufkommensneutralen Hebesätze. Diese werden anschließend hier veröffentlicht.“

Hamburg

Hamburg hat sich gegen die Anwendung des Bundesmodells entschieden und ein eigenes Landesgesetz zur Grundsteuer veröffentlicht. Die Grundsteuer wird ab 1.1.2025 nach dem sog. „Wohnlagemodell“ berechnet. Demnach wird die Grundsteuer B für Wohngebäude vorrangig anhand der Grundstücksgröße, der Gebäudefläche und der Wohnlage des Grundstücks ermittelt. Bei der Wohnlage wird zwischen „normaler“ und „guter“ Wohnlage unterschieden. Basis für die Bestimmung ist das Hamburger Wohnlagenverzeichnis.

Anfang Juli 2024 wurde bekannt, dass die Hebesätze für die neue Hamburger Grundsteuer ab 2025 für die Grundsteuer A 100 %, die Grundsteuer B 975 % und die Grundsteuer C 8.000 % betragen sollen. Die Messzahl für Nutzflächen soll 0,87 betragen, der Bereich Wohnen bleibt mit einer Messzahl von 0,7 besonders gefördert.

Ausführliche Informationen zur Grundsteuerreform gibt die Finanzbehörde Hamburg

hier
.

Hessen

Im Bundesland Hessen kommt bei der Umsetzung der Grundsteuerreform das sog. Flächen-Faktor-Modell zur Anwendung. Informationen zur Grundsteuerreform in Hessen finden sich

hier
.

Das FinMin Hessen hat Hebesatzempfehlungen für Hessens Kommunen berechnet (vgl. News). Umfangreiche Informationen, FAQ, Erklärvideo und Übersichtskarten finden sich

hier
.

Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommern wendet zur Umsetzung der Grundsteuerreform das sog. Bundesmodell an.

In Mecklenburg-Vorpommern soll ein Transparenzregister veröffentlicht werden (vgl. News).

Informationen zur Grundsteuerreform in Mecklenburg-Vorpommern finden Sie

hier

Niedersachsen

In Niedersachsen kommt zur Umsetzung der Grundsteuerreform das sog. Flächen-Lage-Modell zur Anwendung.

Umfangreiche Informationen finden Sie

hier
.

Nordrhein-Westfalen

Das Land NRW hat sich zur Anwendung des sog. Bundesmodells entschieden. Im Juni wurden Musterwerte veröffentlicht, die Kommunen informieren, wie hoch die Hebesätze sein müssten, damit die Grundsteuer aufkommensneutral erhoben wird. Zudem werden alle der Berechnung dieser Referenz-Hebesätze zugrundeliegenden Daten veröffentlicht. 

Allgemeine Informationen zur Grundsteuer in NRW finden Sie

hier
.

Ausführliche Informationen: Hebesätze für die Grundsteuer in NRW

Rheinland-Pfalz

Das Land Rheinland-Pfalz wendet das Bundesmodell an. Das FG Rheinland-Pfalz äußerte jedoch „ernstliche Zweifel“ an der Verfassungsmäßigkeit der Regelung. Der BFH entschied über AdV, jedoch nicht abschließend über die Verfassungsmäßigkeit (vgl. News). 

Ausführliche Informationen zur Grundsteuer in Rheinland-Pfalz:

Broschüre

Saarland

Das Saarland wendet zwar ebenfalls das Bundesmodell an, weicht jedoch bei der Höhe der sog. Steuermesszahlen ab. Die Kommunen erhalten

Daten für die Neuberechnung der Hebesätze
. Die einzelnen Städte und Gemeinden erhalten die hochgerechneten Grundsteuermessbeträge auf Basis der neuen Grundsteuerwerte innerhalb einer Bandbreite. Diese Zahlen werden auch auf der Homepage des Ministeriums zur Verfügung gestellt. Die Kommunen können diese nutzen, um die ab dem 1.1.2025 geltenden Hebesätze ab dem zweiten Halbjahr 2024 in den Räten festzulegen.

Informationen zur Grundsteuerreform im Saarland finden Sie

hier
.

Sachsen

Das Bundesland Sachsen wendet zwar ebenfalls das Bundesmodell an, weicht jedoch (ähnlich wie das Saarland) bei der Höhe der sog. Steuermesszahlen ab.

Informationen zur Grundsteuerreform in Sachsen finden Sie

hier
.

Sachsen hat eine

Hebesatzprognose für die Grundsteuer 2025
veröffentlicht. So wurde für jede Gemeinde in Sachsen berechnet, welcher Hebesatz für das Jahr 2025 für eine aufkommensneutrale Umsetzung der Grundsteuerreform voraussichtlich festgelegt werden müsste. Wichtig: Es handelt sich jedoch um keine Vorgabe für die Kommunen!

Sachsen-Anhalt

Das Land Sachsen-Anhalt wendet das Bundesmodell an.

Allgemeine Informationen zur Grundsteuerreform in Sachsen-Anhalt finden Sie

hier
.

Laut Medienberichten (vgl.

Welt
) will das Finanzministerium den Kommunen bis Mitte August 2024 die Daten für ein neues Grundsteuermodell in Sachsen-Anhalt zur Verfügung stellen.

Schleswig-Holstein

Das Land Schleswig-Holstein wendet das Bundesmodell an.

Allgemeine Informationen zur Grundsteuerreform in Schleswig-Holstein finden Sie

hier
.

Den Kommunen sollen differenzierte Hebesätze ermöglicht werden (vgl. News). 

Thüringen

Das Land Thüringen wendet das Bundesmodell an. Allgemeine Informationen zur Grundsteuerreform in Thüringen finden Sie

hier
.

Lesen Sie auch: Einsprüche gegen Grundsteuerwertbescheide und Grundsteuermessbetragsbescheide

Grundsteuer in den Bundesländern: Kurzüberblick

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Sind Rechtsmittel gegen die neuen Grundsteuerwertbescheide ratsam?

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